Rollstuhl im Auto transportieren: Rampe, Kofferraum, Umbau – oder Fahrdienst?

Inhalt dieses Artikels
- Welche Lösung passt zu deinem Rollstuhl?
- Faltrollstuhl im Kofferraum: So geht's
- Rollstuhlrampe fürs Auto: Länge, Steigung, Belastbarkeit
- Im Rollstuhl sitzend mitfahren: Sicherung nach DIN 75078
- Auto umbauen oder rollstuhlgerecht kaufen: Wer zahlt?
- Rollstuhlgerechtes Auto mieten
- Wann ein Fahrdienst die bessere Wahl ist
- Häufige Fragen
- Fazit
Du willst mit dem eigenen Auto zum Arzt, zur Familie oder in den Urlaub – und der Rollstuhl muss mit? Die gute Nachricht: Ein Faltrollstuhl passt zusammengeklappt in fast jeden Kofferraum, wichtig ist nur, dass er gesichert ist. Für einen Elektrorollstuhl brauchst du eine Rampe oder einen Lift und ein passendes Fahrzeug. Am sichersten fährst du, wenn du auf den Autositz umsteigst. Bleibst du im Rollstuhl sitzen, braucht das Fahrzeug ein Rückhaltesystem nach DIN 75078. Und wenn kein passendes Auto da ist, holt dich ein Fahrdienst mit Rampe ab.
In diesem Ratgeber zeigen wir dir, welche Lösung zu welchem Rollstuhl passt, wie lang eine Rampe sein muss, wie du den Rollstuhl richtig sicherst und wer einen Umbau bezahlt.
Das Wichtigste in Kürze
- Faltrollstuhl: zusammenklappen, in den Kofferraum legen und gegen Verrutschen sichern – nie lose auf die Rückbank.
- Elektrorollstuhl: Rampe oder Lift und ein Fahrzeug mit genug Platz und Belastbarkeit.
- Rampe: Länge = Höhe der Ladekante × 100 ÷ Steigung in Prozent. Bei 30 cm und 12 % Steigung sind das 2,50 m.
- Im Rollstuhl mitfahren: nur mit Rückhaltesystem nach DIN 75078 und Dreipunktgurt; am besten mit einem crashgetesteten Rollstuhl mit Kraftknoten.
- Kosten: Die Kfz-Hilfe übernimmt behinderungsbedingte Umbauten in vollem Umfang – Antrag vor dem Kauf stellen.
Welche Lösung passt zu deinem Rollstuhl?
| Deine Situation | Die passende Lösung |
|---|---|
| Faltrollstuhl, du kannst auf den Autositz umsteigen | Rollstuhl falten, in den Kofferraum legen und sichern |
| Faltrollstuhl, aber das Heben fällt schwer | Ladehilfe für den Kofferraum, etwa ein Lift oder Verladekran |
| Elektrorollstuhl, du kannst umsteigen | Rampe oder Lift ins Heck, der Rollstuhl fährt als gesicherte Ladung mit |
| Du musst im Rollstuhl sitzen bleiben | Umgebautes Fahrzeug mit Rampe oder Lift und Rückhaltesystem nach DIN 75078 |
| Nur ab und zu oder kein passendes Auto | Fahrdienst mit Rampe oder ein rollstuhlgerechtes Auto mieten |
Faltrollstuhl im Kofferraum: So geht's
- Abnehmbare Teile lösen: Sitzkissen, Fußstützen und – wenn vorhanden – die Räder mit Steckachse abnehmen. So wird der Rollstuhl leichter und kleiner.
- Zusammenklappen: Je nach Modell faltet er sich über ein Kreuz in der Mitte oder über eine klappbare Rückenlehne.
- Richtig einladen: Schwere Teile nach unten und möglichst nah an die Rückbank. Beim Heben aus den Beinen arbeiten, nicht aus dem Rücken.
- Sichern: Mit Spanngurten an den Zurrösen im Kofferraum befestigen. Ladung muss laut Straßenverkehrs-Ordnung so gesichert sein, dass sie auch bei einer Vollbremsung oder einem plötzlichen Ausweichen nicht verrutscht (§ 22 StVO).
Lose auf der Rückbank hat ein Rollstuhl nichts zu suchen: Bei einem Aufprall wird er zum Geschoss. Das gilt genauso für einen Rollator – zusammenklappen, in den Kofferraum legen und festmachen.

Ladehilfen für den Kofferraum
Wenn das Heben zu schwer wird, helfen Ladehilfen: ein Kofferraumlift oder Verladekran, der den Rollstuhl per Knopfdruck anhebt und einschwenkt, oder Systeme, die den gefalteten Rollstuhl in eine Box auf dem Dach ziehen. Welche Lösung in dein Auto passt, klärt ein Fachbetrieb für Fahrzeugumbauten. Wird die Ladehilfe wegen deiner Behinderung gebraucht, kann sie über die Kfz-Hilfe bezahlt werden (siehe unten).
Rollstuhl auf dem Fahrradträger?
Für die Anhängerkupplung gibt es spezielle Rollstuhlträger. Drei Dinge musst du dabei beachten:
- Stützlast: Träger und Rollstuhl zusammen dürfen die zulässige Stützlast nicht überschreiten. Sie steht in der Zulassungsbescheinigung Teil I (Feld 13) und auf dem Typschild der Kupplung – maßgeblich ist der niedrigste Wert.
- Licht und Kennzeichen: Verdeckt der Träger Rückleuchten oder Kennzeichen, braucht er eine eigene Beleuchtung und ein zusätzliches Kennzeichen.
- Wetter: Außen ist der Rollstuhl Regen und Schmutz ausgesetzt – eine Schutzhülle hilft. Elektrorollstühle sind für Heckträger in der Regel zu schwer.
Rollstuhlrampe fürs Auto: Länge, Steigung, Belastbarkeit
Für Elektrorollstühle und für Fahrten im Rollstuhl führt kein Weg an einer Rampe oder einem Lift vorbei. Es gibt mobile Teleskop- oder Klapprampen zum Anlegen, fest eingebaute Heckrampen und elektrische Hublifte. Wie lang die Rampe sein muss, hängt von zwei Dingen ab: der Höhe der Ladekante und der Steigung, die du schaffst.
So rechnest du: Länge der Rampe = Höhe der Ladekante × 100 ÷ Steigung in Prozent.
| Höhe der Ladekante | bei 12 % Steigung | bei 20 % Steigung |
|---|---|---|
| 30 cm | 2,50 m | 1,50 m |
| 50 cm | 4,17 m | 2,50 m |
| 70 cm | 5,83 m | 3,50 m |
Wie steil es sein darf, hängt davon ab, wer fährt: Wer sich selbst anschiebt, schafft meist nur 6 bis 10 Prozent. Mit einer Begleitperson, die schiebt, sind je nach Kraft etwa 12 bis 19 Prozent möglich. Für Elektrorollstühle werden oft bis zu 20 Prozent genannt – maßgeblich ist hier die Bedienungsanleitung deines Rollstuhls.
Achte außerdem auf die Belastbarkeit: Rollstuhl und Person zusammen müssen deutlich unter der zugelassenen Last der Rampe bleiben. Elektrorollstühle sind schwer – unsere Rampen sind deshalb bis 350 kg belastbar. Eine rutschfeste Oberfläche und seitliche Aufkantungen, die verhindern, dass ein Rad abrutscht, gehören ebenfalls dazu.

Im Rollstuhl sitzend mitfahren: Sicherung nach DIN 75078
Der ADAC ist da eindeutig: Die sicherste Beförderung ist der normale Fahrzeugsitz mit Gurt. Wer umsteigen kann, sollte das tun. Musst du im Rollstuhl sitzen bleiben, braucht es drei Dinge:
- Ein geeignetes Fahrzeug: Seit 2016 werden Fahrzeuge für die Rollstuhlbeförderung nur noch mit Verankerungspunkten zugelassen, die DIN 75078 Teil 2 oder einer entsprechenden ISO-Norm entsprechen.
- Eine Vier-Punkt-Sicherung für den Rollstuhl: Vier Gurte verbinden den Rollstuhlrahmen mit dem Fahrzeugboden.
- Einen Dreipunktgurt für dich: Becken- und Schultergurt halten dich – nicht der Rollstuhl.
Ideal ist ein Rollstuhl, der für die Nutzung als Sitz im Fahrzeug geprüft ist (Norm ISO 7176-19). Solche Rollstühle haben einen Kraftknoten: gekennzeichnete, besonders stabile Befestigungspunkte, über die die Kräfte bei einem Aufprall in den Fahrzeugboden geleitet werden. Vorgeschrieben ist der Kraftknoten nicht – aber nach einem Unfall kann eine Versicherung Leistungen kürzen, wenn eine Sicherung nach dem Stand der Technik die Folgen gemindert hätte.

Wissenswertes: Lass dir bei einem neuen Rollstuhl im Sanitätshaus zeigen, ob er für die Beförderung im Fahrzeug zugelassen ist und wo die Befestigungspunkte sitzen. Die Angaben stehen in der Bedienungsanleitung.
Auto umbauen oder rollstuhlgerecht kaufen: Wer zahlt?
Ein Umbau mit Rampe, Lift oder Rückhaltesystem ist teuer. Brauchst du das Auto, um zur Arbeit oder zur Ausbildung zu kommen, hilft die Kfz-Hilfe nach der Kraftfahrzeughilfe-Verordnung:
- Umbauten und Zusatzausstattung, die wegen deiner Behinderung nötig sind, werden in vollem Umfang übernommen – samt Einbau und technischer Überprüfung (§ 7 KfzHV).
- Für den Kauf des Fahrzeugs gibt es einen Zuschuss; zugrunde gelegt wird der Kaufpreis, höchstens 22.000 Euro (§ 5 KfzHV).
- Wichtig: Den Antrag vor dem Kaufvertrag stellen (§ 10 KfzHV). Zuständig sind je nach Lage die Rentenversicherung, die Agentur für Arbeit oder das Integrationsamt.
Für den Alltag außerhalb des Berufs gibt es über die Eingliederungshilfe Leistungen zur Mobilität (§§ 83, 114 SGB IX) – das kann eine Hilfe für das Auto sein, wenn du für die Teilhabe ständig darauf angewiesen bist, oder eben ein Beförderungsdienst. Wie du so etwas beantragst, erklären wir in Fahrdienst beantragen: 5 einfache Wege zu mehr Mobilität.
Rollstuhlgerechtes Auto mieten
Für den Urlaub, einen Familienbesuch oder die Zeit nach einer Operation lohnt sich kein Umbau. Einige Autovermietungen und Sanitätshäuser verleihen Fahrzeuge mit Rampe oder Lift. Frag beim Buchen nach der Höhe der Ladekante, der Belastbarkeit der Rampe und ob ein Rückhaltesystem eingebaut ist. Für Kleinbusse bis 3,5 Tonnen und bis zu acht Mitfahrende reicht der normale Führerschein der Klasse B.
Wann ein Fahrdienst die bessere Wahl ist
Ein eigenes Auto mit Umbau ist ideal, wenn du oft fährst und jemand fahren kann. In vielen Fällen ist ein Fahrdienst aber einfacher und sicherer:
- Du fährst im Elektrorollstuhl und kannst nicht umsteigen.
- Es gibt kein passendes Auto oder niemanden, der fahren und helfen kann.
- Du brauchst die Fahrt nur ab und zu – ein Umbau lohnt sich nicht.
- Es geht um regelmäßige Fahrten zur Schule, zur Werkstatt, zur Tagespflege oder zur Dialyse.
- Ein Kostenträger übernimmt die Fahrt, etwa die Eingliederungshilfe, das Bezirks- oder Jugendamt.
Bei Berlin-Kosmonauten fährst du im Kleinbus mit Rollstuhlrampe – bis 350 kg belastbar und damit auch für Elektrorollstühle. Der Rollstuhl wird mit einem Rückhaltesystem nach DIN 75078 gesichert, der Fahrer hilft beim Ein- und Aussteigen. In unseren Großraumfahrzeugen ist Platz für bis zu 8 Personen oder 4 Rollstühle, auch für Begleitpersonen. Unsere Fahrzeuge findest du im Fuhrpark, mehr zur Behindertenbeförderung auf unserer Leistungsseite.
Was eine Fahrt kostet und wer sie bezahlt, haben wir ausführlich in Rollstuhltaxi, Inklusionstaxi oder Fahrdienst: Was kostet eine Fahrt in Berlin? zusammengestellt.
Häufige Fragen
Wie transportiere ich einen Rollstuhl im Auto?
Einen Faltrollstuhl klappst du zusammen, nimmst abnehmbare Teile ab und sicherst ihn im Kofferraum mit Spanngurten. Elektrorollstühle brauchen eine Rampe oder einen Lift und ein Fahrzeug mit genug Platz. Lose auf der Rückbank darf der Rollstuhl nicht liegen.
Darf man im Rollstuhl sitzend im Auto mitfahren?
Ja, wenn das Fahrzeug dafür ausgerüstet ist: mit Verankerungspunkten und Rückhaltesystem nach DIN 75078 und einem Dreipunktgurt für dich. Am sichersten ist es trotzdem, auf den Autositz umzusteigen.
Was ist ein Kraftknoten am Rollstuhl?
Kraftknoten sind gekennzeichnete, besonders stabile Befestigungspunkte am Rollstuhlrahmen. Über sie wird der Rollstuhl im Fahrzeug gesichert und die Kräfte bei einem Aufprall werden in den Fahrzeugboden geleitet. Rollstühle mit Kraftknoten sind für die Nutzung als Sitz im Fahrzeug geprüft (ISO 7176-19).
Wie lang muss eine Rollstuhlrampe fürs Auto sein?
Teile die Höhe der Ladekante mal 100 durch die Steigung in Prozent. Bei 30 cm Höhe und 12 % Steigung brauchst du 2,50 m, bei 20 % reichen 1,50 m. Welche Steigung möglich ist, hängt davon ab, ob du selbst fährst, geschoben wirst oder einen Elektrorollstuhl nutzt.
Kann ich einen Rollstuhl auf dem Fahrradträger transportieren?
Ja, mit einem speziellen Rollstuhlträger für die Anhängerkupplung. Träger und Rollstuhl dürfen die zulässige Stützlast nicht überschreiten, und verdeckte Rückleuchten oder Kennzeichen müssen am Träger ersetzt werden.
Wer bezahlt den Umbau meines Autos?
Brauchst du das Auto für Arbeit oder Ausbildung, übernimmt die Kfz-Hilfe behinderungsbedingte Umbauten in vollem Umfang. Zuständig sind die Rentenversicherung, die Agentur für Arbeit oder das Integrationsamt. Stell den Antrag vor dem Kauf.
Wie transportiere ich einen Rollator im Auto?
Rollator zusammenklappen, Korb oder Tasche abnehmen und ihn im Kofferraum mit einem Spanngurt sichern – genau wie einen Faltrollstuhl.
Fazit
Ein Faltrollstuhl reist gesichert im Kofferraum mit, für schwere Modelle gibt es Ladehilfen. Für Elektrorollstühle und Fahrten im Rollstuhl brauchst du eine Rampe, ein geeignetes Fahrzeug und ein Rückhaltesystem – die Kfz-Hilfe kann den Umbau bezahlen. Und wenn das alles zu aufwendig ist: Wir holen dich in ganz Berlin und im Umland ab. Jetzt Fahrt anfragen – wir melden uns mit einem Angebot.
Quellen und Stand (2. November 2026)
- Sicherung im Fahrzeug, DIN 75078, Kraftknoten: ADAC – Rollstuhlsicherung in Fahrzeugen
- Rollstühle als Sitz im Fahrzeug: ISO 7176-19
- Ladungssicherung: § 22 StVO
- Kfz-Hilfe: Kraftfahrzeughilfe-Verordnung (§§ 5, 7, 10), betanet – Kraftfahrzeughilfe
- Eingliederungshilfe: § 83 SGB IX, § 114 SGB IX
- Rampenlänge und Steigung: barrierefrei.de – Rampe berechnen
Alle Angaben ohne Gewähr. Maßgeblich sind die Bedienungsanleitungen von Rollstuhl, Rampe und Fahrzeug sowie die Auskunft des zuständigen Leistungsträgers.


